Fazit Bundesverband zum Patenschaftsprogramm

Fazit Bundesverband zum Patenschaftsprogramm

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute habe ich im wesentlichen Informationen für Sie, die die Umsetzungen und Wirkungen des Programms betreffen, sowie ein Fortbildungshinweis vom Zentralrat der Muslime in Düsseldorf.

Auf Basis Ihrer Sachberichte habe ich einen Gesamtbericht erstellt. Einige Ergebnisse sind auch für Sie interessant zu wissen:

  • An 52 Standorten wurden insgesamt 2.384 abgerechnete Patenschaften umgesetzt, d.h. durchschnittlich 45 Patenschaften pro Standort. Diese Patenschaften wurden von 2.224 Einzelpatenschaften und 160 Familienpatenschaften durchgeführt und erreichten auf Seiten der Flüchtlinge 1.517 erwachsene Einzelpersonen, 779 Familien und 102 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Patenschaften mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen wurden an 14 Standorten durchgeführt. Diese Zahlen basieren auf der Auswertung der Monatsmeldungen.
  • Wir haben eine große Spreizung von sehr kleinen bis sehr große Standorte. Fast die Hälfte der Patenschaften wurden von nur 9 Standorten geleistet:

1-10 Patenschaften: 14 Standorte
11-40 Patenschaften: 21 Standorte
41-70 Patenschaften: 8 Standorte
71-100 Patenschaften: 3 Standorte
101-150 Patenschaften: 2 Standorte
151- 200 Patenschaften: 2 Standorte
201 – 250 Patenschaften: 2 Standorte

  • In den Sachberichten haben die Standorte die wöchentlich verwendeten Stundenzahlen für die Begleitung und Koordination angegeben und die davon aus dem Patenschaftsprogramm refinanzierten:

Stunden pro Woche insgesamt 701,75h
davon aus MsM refinanziert insgesamt 316,5h

Weiter haben die Standorte in ihren Sachberichten angegeben, ob die Begleitung nur ehrenamtlich, nur hauptamtlich oder gemischt umgesetzt wurde. Dies wurde wie folgt beantwortet:

nur ehrenamtlich: 4 Standorte mit 113 Patenschaften
nur hauptamtlich: 26 Standorte mit 764 Patenschaften
ehren- und hauptamtlich: 22 Standorte mit 1507 Patenschaften

D.h. der größte Teil der für Begleitung und Koordination verwendeten Zeit wurde nicht aus dem Patenschaftsprogramm refinanziert, sondern erfolgte ehrenamtlich oder durch Eigen-/Drittmittel. Dies schmälert nicht die Bedeutung des Programms, sondern unterstreicht viel mehr die Wichtigkeit und auch die Unterfinanzierung des Programms.

  • Unter den Standorten mit wenigen Patenschaften (1-10) befinden sich ebenfalls auch rein hauptamtliche Umsetzungen des Patenschaftsprogramms. Die Standorte mit rein ehrenamtlicher Umsetzung setzten 4-51 Patenschaften um. Von den sechs Standorten mit mehr als 100 Patenschaften organisierte nur einer die Umsetzung rein hauptamtlich. Standorte mit einer gemeinsamen Begleitung aus Haupt- und Ehrenamt zeichnen sich im Durchschnitt durch eine deutlich höhere Umsetzung von Patenschaften aus – ein gutes Signal für den Verband!
  • Insgesamt wird das Programm von Ihnen begrüßt und als nach wie vor wichtig erachtet. Auch wenn inzwischen nur wenige neue Flüchtlinge Deutschland erreichen, sind begleitende Angebote zur Integration der zwischen 2013-2015 eingereisten Flüchtlinge nach wie vor wichtig und ergeben sich nicht von selbst.

Der Sachbericht an das BMFSFJ enthält weiter noch Aufzählungen über die Aktivitäten, Kooperationen, Einschätzungen zur Wirkungen und weitere Aussagen auf Basis der einzelnen Sachberichte. Ich kann Ihnen bei Interesse den Gesamtsachbericht der AWO zusenden.

Das BMFSFJ veröffentlichte vergangene Woche eine knapp 100 Seiten umfassende Wirkungsanalyse des Patenschaftsprogramms:

https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/wirkungsanalyse-des-patenschaftsprogramms-im-bundesprogramm--menschen-staerken-menschen-/117598

Die Wirkungsanalyse bestätigt inhaltlich viele Erfahrungen der AWO, aber ich habe auch den Eindruck das die Wirkungsanalyse einiges zu pauschal betrachtet aufgrund der sehr großen Unterschiede zwischen allen Programmträgern und deren Standorte.

Zu den Unterschieden gehört bspw. das Konzept der Ankommenspatenschaften der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen. (BAGFA). Die BAGFA vereinbarte mit dem BMFSFJ ein Modell niedrigschwelliger Ankommenspatenschaften die nur einige Treffen zwischen Paten/innen und Geflüchteten als verbindlich ansehen. Ich finde diesen Ansatz zwar konzeptionell gut, aber er entspricht nicht den uns vom BMFSFJ kommunizierten Vorgaben und hätte dies gerne früher 2016 erfahren und für die AWO ebenfalls ermöglicht. Die Wirksamkeit dieses Ansatzes sieht die BAGFA nach einer Evaluation jetzt bestätigt: https://www.bagfa.de/aktuelles/archiv/2017/july/artikel/neue-bagfa-analyse-zu-besonderem-engagementformat-erschienen-ankommenspatenschaften-einsichten-aus-einem-modellprojekt-fuer-gefluechtete-und-einheimische-menschen.html

Und ein Fortbildungshinweis von "Wir sind Paten" / Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V.:

„Wir bieten ab dem 13. September 2017 in Düsseldorf einen Grundkurs Gebärdensprache für Paten/Patinnen an. Unser Schulungsraum befindet sich in 5 Minuten Fußweg zum Hauptbahnhof, so dass auch Teilnehmer aus den umliegenden Städten einfach anreisen können. In insgesamt 120 Stunden werden die wichtigsten Grundkenntnisse der Gebärdensprache von einem gehörlosen Referenten vermittelt, der über umfangreiche Erfahrungen verfügt und einen interessanten Unterricht verspricht. Weitere Infos gibt es bei: duesseldorf@wirsindpaten.de“

Mit freundlichen Grüßen
i.A. Gunnar Wörpel
Referent für Bürgerschaftliches EngagementArbeiterwohlfahrt Bundesverband e.V.
Abteilung "Verbandsangelegenheiten, Engagementförderung und Zukunft der Bürgergesellschaft"
Tel. +49 30 26309-257
Fax +49 30 2630932257
Email: gunnar.woerpel@awo.org