Liora.Live sensibilisiert für Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen

Liora.Live sensibilisiert für Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen

„Fast 80 Initiativen sind heute laut – für die Menschen, die oft nicht kämpfen können“, betont Rebecca Lefèvre, Leitung der Initiative „Stille Stunde“ und des Vereins „gemeinsam zusammen“. Gehört werden, Aufmerksamkeit schaffen, nicht Sichtbares sichtbar machen – genau darum geht es bei der Veranstaltung Liora.Live im Glückauf-Club der Veltins Arena auf Schalke anlässlich des Tags der nicht sichtbaren Behinderungen. Mit dabei zahlreiche Haupt- und Ehrenamtliche des AWO Unterbezirks Gelsenkirchen/Bottrop, der als Mitorganisator tatkräftig unterstützt.

Schon bevor das eigentliche Bühnenprogramm losgeht, nutzen Besucher*innen die Gelegenheit, sich bei den zahlreichen Initiativen und Verbänden über ihre Arbeit und Angebote zu informieren. Viele kommen dabei auch ins Gespräch mit dem AWO-IGA-Team, das im kommenden Jahr im AWO Zukunftsgarten ein besonderes Augenmerk auf das Thema Inklusion und Sensibilisierung legt und an diesem Abend zahlreiche neue Impulse erhält.

Das abwechslungsreiche Bühnenprogramm erklärt auf anschauliche Weise, was nicht sichtbare Behinderungen sind, warum aufs laute Klatschen verzichtet wird und warum es so wichtig ist, dass Menschen, die von nicht sichtbaren Behinderungen betroffen sind, die Gesellschaft mitgestalten sollten. Für neurodivergente Menschen – insbesondere Autist*innen oder Menschen mit ADHS – können beispielsweise laute Geräusche zur Reizüberflutung führen, deshalb gibt es bei Liora.Live stummen Applaus. Das heißt, man reckt die Hände in die Luft und dreht die Handgelenke hin und her.

Milena Wolf beschreibt ihre Gefühle in einem Gedicht und fragt im Anschluss, wie wohl eine Welt aussähe, in der Autist*innen die Gesellschaft mitgestalten, anstatt in Werkstätten untergebracht zu werden. Dodzi Dougban zeigt eine tänzerische Darbietung, die komplett ohne Musik auskommt. Viktoriia Sykal, Leiterin des AWO Nachbarschaftschores, begleitet die Modenschau „Auf Augenhöhe“, des Labels von Sema Gedik, die im Anschluss mit Raul Krauthausen, Aktivist für Inklusion, unter anderen darüber spricht, warum es eigentlich keine Mode für Menschen mit Behinderung gibt.

„Schulden wir anderen Menschen unsere Diagnosen?“, fragt Raul Krauthausen bewusst etwas provokativ. Es werde erwartet, dass man sich erkläre. „Ich möchte uns alle dazu empowern, das wir in erster Linie einen Namen haben und Hobbys. Und die zuerst in einem Gespräch genannt werden sollten.“ Es gehe darum, seinem Gegenüber zu glauben – auch ohne eine Diagnose zu kennen.

Und genau diese Offenheit, wird hier gelebt. Barrieren werden abgebaut, die Veranstaltung per Audiodiskription und Gebärdensprache begleitet, auf Parfum verzichtet und Ruheräume stehen zur Verfügung.

„Zusammenhalt braucht beides: das Wissen um die oft unsichtbaren Hürden im Leben und ein offenes Herz, um sie gemeinsam zu überwinden“, betont Admir Bulic, Geschäftsführer des AWO UB Gelsenkirchen/Bottrop. „Erst wenn wir dieses Verständnis leben, schaffen wir eine Gemeinschaft, in der jeder Mensch – unabhängig von seiner Behinderung – einen festen Platz hat.“