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Für Respekt, Toleranz und Zivilcourage - gegen Gewalt und Menschenfeindlichkeit!
Seit 1964 erinnern die Menschen in Gelsenkirchen jedes Jahr am 9. November an die Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung in der Zeit des Nationalsozialismus. Nach 1933 wurden in Deutschland Jüdinnen und Juden an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Die Novemberpogrome des Jahres 1938 waren ein brutaler Höhepunkt der Verbrechensgeschichte des „Dritten Reiches“. Die Verfolgung jüdischer Menschen und anderer, die als „Gemeinschaftsfremde“ stigmatisiert wurden, gipfelte in Vernichtungskrieg und Völkermord.
Ursachen waren Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit. Solche Haltungen sind leider nicht nur Teil der Geschichte, sondern auch der Gegenwart in unserer Stadt. Es ist erschütternd, dass in Gelsenkirchen immer wieder offener Hass gegen Menschen und ganze Menschengruppen zum Ausdruck gebracht wird und auch Beifall findet. Dies spaltet unsere Gesellschaft und gefährdet unsere Demokratie. Die Erinnerung verpflichtet uns, solche Entwicklungen entschlossen zu bekämpfen.
Ausgangspunkt unseres diesjährigen Schweigezugs ist das Elisabeth-Krankenhaus in Erle. Von dort führt unser Weg über die Cranger Straße zur Dokumentationsstätte „Gelsenkirchen im Nationalsozialismus“ und zum Vorplatz der Dreifaltigkeitskirche. Dort möchten wir gemeinsam gedenken und bekunden, dass die Menschen in Gelsenkirchen die nationalsozialistischen Verbrechen nicht vergessen haben und nicht vergessen werden.
Auch auf der Cranger Straße in Erle lebten jüdische Familien, die ausgegrenzt, misshandelt, gedemütigt, ins Exil gezwungen, in Ghettos und Lager verschleppt und ermordet wurden. Stellvertretend möchten wir an die Familie Ahron erinnern, die in unmittelbarer Nachbarschaft der heutigen Dokumentationsstätte wohnte. Der Fotograf Oskar Ahron verließ mit seiner Frau Jeanette und den beiden Töchtern Margot und Edith schon 1934 seine Heimatstadt, um in Amsterdam Schutz zu suchen. Nach dem deutschen Überfall auf die Niederlande geriet die Familie wieder in die Fänge der Verfolger. Die Eltern und ihre Kinder wurden schließlich im Vernichtungslager Auschwitz ermordet.
In unser diesjähriges Gedenken schließen wir ausdrücklich die Sinti und Roma ein, die im „Dritten Reich“ verfolgt wurden. Im Stadtteil Erle befand sich am Rhein-Herne-Kanal ab 1936 ein Sammel- und Lagerplatz für Sinti und Roma. Die Bewohnerinnen und Bewohner wurden Ende 1938 innerhalb Gelsenkirchens umgesiedelt. Die meisten von ihnen wurden ab 1940 deportiert. Insgesamt fanden mehr als 60 Sinti und Roma aus Gelsenkirchen im Vernichtungslager Auschwitz den Tod.
Die Demokratische Initiative ruft alle Bürgerinnen, Bürger und Gäste Gelsenkirchens auf, zahlreich an Kundgebung und Schweigezug teilzunehmen.
Wir fordern dazu auf, jeder Form von Extremismus, Menschenfeindlichkeit und Gewalt entschieden entgegenzutreten.
Wir treten ein für Toleranz und Frieden, für die Achtung der Grund- und Menschenrechte, Mut, Zivilcourage und demokratisches Engagement im Alltag.
In Gelsenkirchen darf es keinen Platz für Antisemitismus, Rassismus, Diskriminierung von Minderheiten und völkisches Denken geben.
Demokratie muss täglich gelebt werden, Erinnerung ist ein wichtiger Teil davon.
V. i. S. d. P.: Geschäftsstelle der Demokratischen Initiative - c/o: Institut für Stadtgeschichte, Munscheidstraße 14, 45886 Gelsenkirchen